Michael H. Kater
Komponisten im Nationalsozialismus
Acht Portraits
Später, während seiner verschiedenen Aufenthalte in Los Angeles, machte sich Weill nicht ein einziges Mal die Mühe, Schönberg zu besuchen, der immerhin an der University of California lehrte und in Brentwood wohnte, das zwischen Hollywood und Santa Monica liegt, wo Weill meistens arbeitete. Er war sich Schönbergs Anwesenheit vollkommen bewusst, hob er doch 1940 seine eigene antielitäre Herangehensweise an das Komponieren von Musik erneut gegenüber Schönberg hervor, der, wie er sagte, "für eine Zeit fünfzig Jahre nach seinem Tod" schreibe. Letztendlich muss Weill gekränkt gewesen sein, als Schönberg im April 1947 der Distinguished Achievement Prize of the National Institute of Arts and Letters verliehen wurde.
Wenn Weills Beziehung zu Schönberg nach 1933 praktisch nicht existierte, so war die zu Brecht äußerst problematisch. Seit Beginn ihrer Zusammenarbeit im Jahr 1927 gab es stets drei Streitpunkte: Erstens war Weill nie so linksradikal wie der Dramatiker. Zweitens hielt Weill die Musik ihrer Bühnenstücke immer für wichtiger als die ideologisch befrachteten Texte. Und drittens schaffte Brecht es ständig, Weill in finanziellen Angelegenheiten auszutricksen, weil der Komponist dazu neigte, dessen Taktik nicht rechtzeitig zu durchschauen. Noch in Deutschland verstärkten sich die Spannungen, als Brecht während der Berliner Proben für Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny im Dezember 1931 einem Pressefotografen, der ein Bild von beiden machte, die Kamera aus der Hand schlug und in einer plötzlichen Anwandlung in Weills Richtung brüllte: "Ich werde diesen falschen Richard Strauss in voller Kriegsbemalung die Treppe hinunterschmeißen"...

Fadenheftung, Hardcover mit Schutzumschlag,
15 x 21 cm,
494 Seiten,
mit 8 s/w Abbildungen,
ISBN: 3-936324-12-3
Preis: 38,00 €
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